Achtung: Die Verkehrspuppenbühne feiert 2004 ihr 50jähriges Jubiläum!

Grosse Dokumentation auf http://pegasusundco.de/Jubi

*** Ein Engel für Kasper ***

Die Puppenbühne der Verkehrswacht Stuttgart präsentiert ihre aktuelle Produktion.


 

Mit einem Schutzengel kann einem ja nichts passieren! Da brauche ich ja auf der Strasse nicht aufpassen.

So denkt nicht nur der Kasper.
Aber was passiert, wenn der Engel mal Pause machen muss?
Da ist es doch wohl besser, man passt auf sich selber auf.

"Dann wird es auch nicht krachen!"


Foto: R.Högemann

 

Auf spielerische Weise werden Kinder vom Kindergartenalter bishin zur zweiten und dritten Grundschulklasse auf die Gefahren des Strassenverkehrs hingewiesen. Nicht nur das gewissenhafte Schauen nach allen Seiten - auch das gefahrlose Überqueren der Strasse bei vollgeparkter Strassenseite wird 'geübt'.Und dass auch bei 'Grün' an der Ampel geschaut werden muss, denn: "Auch Autofahrer machen mal Fehler. Lieber nochmal schauen: Sicher ist Sicher!" Das ganze wird dann in einem Lied gefestigt:

Autos fahren überall, da kann man nichts dran machen.
Ich pass auf mich selber auf, dann wird es auch nicht krachen!

(Linksklick auf die obigen Zeilen zum Abspielen des Liedes, Rechtsklick & "Speichern unter" zum Speichern)

Dazu ein Artikel der bwWoche vom 06. Juni 2005

 

Links, rechts, links

Mithilfe des Verkehrskaspers sollen Kinder das richtige Verhalten im Strassenverkehr lernen

von Anne Allmeling

Links, rechts, links Mithilfe des Verkehrskaspers sollen Kinder das richtige Verhalten im Straßenverkehr lernen Von Anne Allmeling Es dauert eine Weile, bis Ruhe herrscht im Zuschauerraum. Lukas, Mohammed und Joslin sind noch so klein, dass sie Mühe haben, die Stühle im Gemeindesaal Altenburg zu erklimmen. Zubaia kann sich nicht entscheiden, ob sie in der ersten Reihe oder weiter hinten sitzen soll, neben ihrer Lehrerin. Und Lisa zappelt auf ihrem Platz herum, weil sie den Beginn der Vorstellung nicht erwarten kann. Erst als es dunkel wird im Raum und sphärische Musik erklingt, schauen die Kindergartenkinder nach vorn, oder besser nach oben: auf die Puppenbühne der Verkehrswacht Stuttgart. Dort begrüßt sie Kasper - der Verkehrskasper, der heute lernen soll, worauf man achten muss, wenn man über die Straße will. Wenn alles klappt, lernen Lukas, Mohammed, Joslin und die anderen gleich mit. Wenn alles klappt. Denn hinter der Bühne haben Maren Haß und Rolf Högemann alle Hände voll zu tun - im wahrsten Sinne des Wortes: Fünf Handpuppen und elf verschiedene Papp-Autos kommen in der Geschichte „Ein Engel für Kasper“ vor. Wer wann welche Puppe bewegt und ihr eine Stimme gibt, haben die beiden Puppenspieler vier Wochen geübt. Das Stück, in dem auch Seppl, Gretel, Kaspers Oma und der Schutzengel Raffaela vorkommen, kennen sie längst auswendig: Seit sie es im Jahr 1999 zum ersten Mal aufgeführt haben, haben sie es über tausend Mal für Kindergartenkinder und Grundschüler gespielt. „Vom Originaltext ist wahrscheinlich nicht mehr viel übrig geblieben“, sagt Maren Haß. „Wir spielen immer anders“, ergänzt ihr Kollege lachend. Wenn die Kinder im Zuschauerraum unruhig werden oder anfangen, sich zu unterhalten, reagieren Maren Haß und Rolf Högemann sofort, bewegen die Puppen stärker oder erhöhen das Spieltempo. „Montags zu spielen, ist am schwierigsten“, sagt Rolf Högemann. „Nach dem Wochenende sind die Kinder oft unkonzentriert.“ Haß und Högemann haben in den vergangenen Jahren reichlich Erfahrung mit dem Spielen vor Kindergartenkindern und Grundschülern gesammelt. Denn mit durchschnittlich 15 Aufführungen im Monat tritt der Verkehrskasper der Verkehrswacht Stuttgart ungewöhnlich häufig auf. Seine Kollegen - und davon gibt es zehn in Baden-Württemberg - sind seltener im Einsatz: durchschnittlich drei Mal im Monat. Denn die meisten Verkehrskasper im Land haben lediglich während der Wintermonate Dienst - dann, wenn es nass oder zu kalt ist, um den Kindern draußen das richtige Verhalten im Straßenverkehr beizubringen. Zehn der elf Verkehrspuppenbühnen in Baden-Württemberg gehören zu den Polizeidienststellen auf Kreisebene, werden also nicht vom Verein Verkehrswacht, sondern von Polizisten für die Verkehrserziehung genutzt. Wann, wo und wie oft sie zum Einsatz kommen, hängt von der jeweiligen Dienststelle ab. Und davon, ob dort überhaupt eine Puppenbühne zur Verfügung steht. Denn lediglich in zehn von insgesamt 37 Polizeidienststellen im Land ist eine Puppenbühne vorhanden. „Wer eine Puppenbühne hat, der will sie auch behalten“, sagt Polizeihauptkommissar Karl Binder, der im Innenministerium für den Bereich Verkehrsprävention zuständig ist. Kritiker gebe es so gut wie überhaupt nicht. Im Gegenteil: Manche Bühnen würden bereits seit über fünfzig Jahren für Präventionsarbeit eingesetzt - ohne, dass es sich im Etat der Polizeidienststelle oder im Landeshaushalt deutlich niederschlage. Denn Bühne und Handpuppen würden oft über die Verkehrswacht-Vereine finanziert, die wiederum durch Spenden und Zuschüsse aus dem kommunalen Haushalt unterstützt werden. So schlägt lediglich die Arbeitszeit der Polizisten zu Buche, wenn die Verkehrspuppenbühne benutzt wird. Wie oft ein Polizist für die Verkehrspuppenbühne spielt, werde vor Ort geregelt und hänge vom Dienstplan ab, erklärt Binder. Was einen Polizisten zum Puppenspieler befähige? „Es gibt keine polizeiliche Fortbildung“, sagt der Polizeihauptkommissar. „Aber für den Einsatz in der Verkehrspuppenbühne braucht ein Polizist fachliches Wissen, Fähigkeiten in der Unterrichtsplanung, Kontaktfähigkeit - und er muss rhetorisch gewandt sein.“ Weil Maren Haß und Rolf Högemann keine Polizisten, sondern Puppenspieler sind, wurde die Geschichte „Ein Engel für Kasper“ mit den Verantwortlichen im Bereich Verkehrserziehung abgesprochen. Auch über die Figur des Engels wurde lange diskutiert, erzählt Monika Zinkwe, die als Vorsitzende der Verkehrswacht Stuttgart für die Puppenbühne zuständig ist. Schließlich sollte das Stück auch für Kinder mit ausländischem Hintergrund verständlich sein. Letztlich habe man herausgefunden, dass auch für muslimische Kinder „Engel“ ein Begriff sei. Eine Überlegung, die für Kindergartenkinder nicht unbedingt von Bedeutung ist. Denn für Joslin ist der Schutzengel Raffaela in weißem Kleid und mit blondem Haar schlicht „die Prinzessin“, die Kasper hilft, die Straße zu überqueren. Und deshalb auch ihre Lieblingsfigur, auf die sie besonders achtet. Mit dem Einsatz der Puppenbühnen leisten die Verkehrswacht und die Polizei einen Teil der Verkehrsprävention im Land. Eine wichtige Aufgabe, denn trotz sinkender Zahlen bei den Verkehrsunfällen in den vergangenen Jahren wurden im Jahr 2004 etwa 440 000 Menschen in Deutschland bei Verkehrsunfällen verletzt. Knapp ein Zehntel von ihnen waren Kinder unter 15 Jahren. Allein in Baden-Württemberg gab es nach Angaben aus dem Innenministerium 4699 Verkehrsunfälle, bei denen ein Kind verunglückte. 21 Kinder wurden getötet. Das Überqueren einer Straße gehört zu den häufigsten Unfallursachen. Polizisten und Verkehrswacht-Mitarbeiter haben deshalb verschiedene Präventionsangebote entwickelt. Verkehrsübungsplätze und Fahrradprüfungen gehören dazu. Mit dem Verkehrskasper aber sollen vor allem die kleinen Kinder angesprochen werden. „Wir wollen ihnen das Verkehrsverhalten auf spielerische Weise zeigen“, sagt Polizeihauptkommissar Binder. Dass das tatsächlich funktioniert, daran zweifelt der Psychologe Dieter Strecker, der auch einen Grundlagenforschungsbericht zum Thema „Warum verunglücken Kinder?“ verfasst hat. Sein Credo: „Wir müssen nicht die Kinder dem Straßenverkehr anpassen, sondern den Straßenverkehr den Kindern.“ Viele Kinder würden verunglücken, wenn sie in einer Krise stecken, wenig Selbstwertgefühl haben. Dass sie den Abstand und die Geschwindigkeit von Autos nicht richtig einschätzen können, komme erst an zweiter Stelle. Den Beitrag des Verkehrskaspers zur Verkehrssicherheit von Kindern schätzt Strecker deshalb als „marginal“ ein. Allerdings: „Jede Maßnahme, die Kinder im Straßenverkehr misstrauisch macht, ist sinnvoll“, sagt der Psychologe. Und genau da setzen Maren Haß und Rolf Högemann mit der Geschichte „Ein Engel für Kasper“ an. Kasper, den Rolf Högemann als „Respektsperson“ für viele Kinder bezeichnet, wird beinahe von einem Auto überfahren, weil er einfach über die Straße läuft. Seinem Schutzengel Raffaela muss er daraufhin versprechen, immer erst nach links und rechts zu schauen. Das Gleiche verlangt Kasper von den Kindern. Lukas, Mohammed und Joslin überbieten sich gegenseitig darin, Kasper zu versichern, dass sie immer gut aufpassen werden. Zwar wissen sie noch nicht so genau, wo links und rechts ist. Aber dass sie schauen müssen, bevor sie über die Straße gehen -das haben sie gelernt.