Auf
spielerische Weise werden Kinder vom Kindergartenalter
bishin zur zweiten und dritten Grundschulklasse auf die
Gefahren des Strassenverkehrs hingewiesen. Nicht nur das
gewissenhafte Schauen nach allen Seiten - auch das
gefahrlose Überqueren der Strasse bei vollgeparkter
Strassenseite wird 'geübt'.Und dass auch bei 'Grün' an
der Ampel geschaut werden muss, denn: "Auch
Autofahrer machen mal Fehler. Lieber nochmal schauen:
Sicher ist Sicher!" Das ganze wird dann in einem
Lied gefestigt:
Autos fahren
überall, da kann man nichts dran machen.
Ich pass auf mich selber auf, dann wird es auch nicht
krachen!
(Linksklick auf die
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Dazu ein Artikel der
bwWoche vom 06. Juni 2005
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Links, rechts, links
Mithilfe des Verkehrskaspers
sollen Kinder das richtige Verhalten im
Strassenverkehr lernen
von Anne Allmeling
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| Links, rechts, links
Mithilfe des Verkehrskaspers sollen Kinder das
richtige Verhalten im Straßenverkehr lernen Von
Anne Allmeling Es dauert eine Weile, bis Ruhe
herrscht im Zuschauerraum. Lukas, Mohammed und
Joslin sind noch so klein, dass sie Mühe haben,
die Stühle im Gemeindesaal Altenburg zu
erklimmen. Zubaia kann sich nicht entscheiden, ob
sie in der ersten Reihe oder weiter hinten sitzen
soll, neben ihrer Lehrerin. Und Lisa zappelt auf
ihrem Platz herum, weil sie den Beginn der
Vorstellung nicht erwarten kann. Erst als es
dunkel wird im Raum und sphärische Musik
erklingt, schauen die Kindergartenkinder nach
vorn, oder besser nach oben: auf die Puppenbühne
der Verkehrswacht Stuttgart. Dort begrüßt sie
Kasper - der Verkehrskasper, der heute lernen
soll, worauf man achten muss, wenn man über die
Straße will. Wenn alles klappt, lernen Lukas,
Mohammed, Joslin und die anderen gleich mit. Wenn
alles klappt. Denn hinter der Bühne haben Maren
Haß und Rolf Högemann alle Hände voll zu tun -
im wahrsten Sinne des Wortes: Fünf Handpuppen
und elf verschiedene Papp-Autos kommen in der
Geschichte Ein Engel für Kasper vor.
Wer wann welche Puppe bewegt und ihr eine Stimme
gibt, haben die beiden Puppenspieler vier Wochen
geübt. Das Stück, in dem auch Seppl, Gretel,
Kaspers Oma und der Schutzengel Raffaela
vorkommen, kennen sie längst auswendig: Seit sie
es im Jahr 1999 zum ersten Mal aufgeführt haben,
haben sie es über tausend Mal für
Kindergartenkinder und Grundschüler gespielt.
Vom Originaltext ist wahrscheinlich nicht
mehr viel übrig geblieben, sagt Maren
Haß. Wir spielen immer anders,
ergänzt ihr Kollege lachend. Wenn die Kinder im
Zuschauerraum unruhig werden oder anfangen, sich
zu unterhalten, reagieren Maren Haß und Rolf
Högemann sofort, bewegen die Puppen stärker
oder erhöhen das Spieltempo. Montags zu
spielen, ist am schwierigsten, sagt Rolf
Högemann. Nach dem Wochenende sind die
Kinder oft unkonzentriert. Haß und
Högemann haben in den vergangenen Jahren
reichlich Erfahrung mit dem Spielen vor
Kindergartenkindern und Grundschülern gesammelt.
Denn mit durchschnittlich 15 Aufführungen im
Monat tritt der Verkehrskasper der Verkehrswacht
Stuttgart ungewöhnlich häufig auf. Seine
Kollegen - und davon gibt es zehn in
Baden-Württemberg - sind seltener im Einsatz:
durchschnittlich drei Mal im Monat. Denn die
meisten Verkehrskasper im Land haben lediglich
während der Wintermonate Dienst - dann, wenn es
nass oder zu kalt ist, um den Kindern draußen
das richtige Verhalten im Straßenverkehr
beizubringen. Zehn der elf Verkehrspuppenbühnen
in Baden-Württemberg gehören zu den
Polizeidienststellen auf Kreisebene, werden also
nicht vom Verein Verkehrswacht, sondern von
Polizisten für die Verkehrserziehung genutzt.
Wann, wo und wie oft sie zum Einsatz kommen,
hängt von der jeweiligen Dienststelle ab. Und
davon, ob dort überhaupt eine Puppenbühne zur
Verfügung steht. Denn lediglich in zehn von
insgesamt 37 Polizeidienststellen im Land ist
eine Puppenbühne vorhanden. Wer eine
Puppenbühne hat, der will sie auch
behalten, sagt Polizeihauptkommissar Karl
Binder, der im Innenministerium für den Bereich
Verkehrsprävention zuständig ist. Kritiker gebe
es so gut wie überhaupt nicht. Im Gegenteil:
Manche Bühnen würden bereits seit über
fünfzig Jahren für Präventionsarbeit
eingesetzt - ohne, dass es sich im Etat der
Polizeidienststelle oder im Landeshaushalt
deutlich niederschlage. Denn Bühne und
Handpuppen würden oft über die
Verkehrswacht-Vereine finanziert, die wiederum
durch Spenden und Zuschüsse aus dem kommunalen
Haushalt unterstützt werden. So schlägt
lediglich die Arbeitszeit der Polizisten zu
Buche, wenn die Verkehrspuppenbühne benutzt
wird. Wie oft ein Polizist für die
Verkehrspuppenbühne spielt, werde vor Ort
geregelt und hänge vom Dienstplan ab, erklärt
Binder. Was einen Polizisten zum Puppenspieler
befähige? Es gibt keine polizeiliche
Fortbildung, sagt der
Polizeihauptkommissar. Aber für den
Einsatz in der Verkehrspuppenbühne braucht ein
Polizist fachliches Wissen, Fähigkeiten in der
Unterrichtsplanung, Kontaktfähigkeit - und er
muss rhetorisch gewandt sein. Weil Maren
Haß und Rolf Högemann keine Polizisten, sondern
Puppenspieler sind, wurde die Geschichte
Ein Engel für Kasper mit den
Verantwortlichen im Bereich Verkehrserziehung
abgesprochen. Auch über die Figur des Engels
wurde lange diskutiert, erzählt Monika Zinkwe,
die als Vorsitzende der Verkehrswacht Stuttgart
für die Puppenbühne zuständig ist.
Schließlich sollte das Stück auch für Kinder
mit ausländischem Hintergrund verständlich
sein. Letztlich habe man herausgefunden, dass
auch für muslimische Kinder Engel
ein Begriff sei. Eine Überlegung, die für
Kindergartenkinder nicht unbedingt von Bedeutung
ist. Denn für Joslin ist der Schutzengel
Raffaela in weißem Kleid und mit blondem Haar
schlicht die Prinzessin, die Kasper
hilft, die Straße zu überqueren. Und deshalb
auch ihre Lieblingsfigur, auf die sie besonders
achtet. Mit dem Einsatz der Puppenbühnen leisten
die Verkehrswacht und die Polizei einen Teil der
Verkehrsprävention im Land. Eine wichtige
Aufgabe, denn trotz sinkender Zahlen bei den
Verkehrsunfällen in den vergangenen Jahren
wurden im Jahr 2004 etwa 440 000 Menschen in
Deutschland bei Verkehrsunfällen verletzt. Knapp
ein Zehntel von ihnen waren Kinder unter 15
Jahren. Allein in Baden-Württemberg gab es nach
Angaben aus dem Innenministerium 4699
Verkehrsunfälle, bei denen ein Kind
verunglückte. 21 Kinder wurden getötet. Das
Überqueren einer Straße gehört zu den
häufigsten Unfallursachen. Polizisten und
Verkehrswacht-Mitarbeiter haben deshalb
verschiedene Präventionsangebote entwickelt.
Verkehrsübungsplätze und Fahrradprüfungen
gehören dazu. Mit dem Verkehrskasper aber sollen
vor allem die kleinen Kinder angesprochen werden.
Wir wollen ihnen das Verkehrsverhalten auf
spielerische Weise zeigen, sagt
Polizeihauptkommissar Binder. Dass das
tatsächlich funktioniert, daran zweifelt der
Psychologe Dieter Strecker, der auch einen
Grundlagenforschungsbericht zum Thema Warum
verunglücken Kinder? verfasst hat. Sein
Credo: Wir müssen nicht die Kinder dem
Straßenverkehr anpassen, sondern den
Straßenverkehr den Kindern. Viele Kinder
würden verunglücken, wenn sie in einer Krise
stecken, wenig Selbstwertgefühl haben. Dass sie
den Abstand und die Geschwindigkeit von Autos
nicht richtig einschätzen können, komme erst an
zweiter Stelle. Den Beitrag des Verkehrskaspers
zur Verkehrssicherheit von Kindern schätzt
Strecker deshalb als marginal ein.
Allerdings: Jede Maßnahme, die Kinder im
Straßenverkehr misstrauisch macht, ist
sinnvoll, sagt der Psychologe. Und genau da
setzen Maren Haß und Rolf Högemann mit der
Geschichte Ein Engel für Kasper an.
Kasper, den Rolf Högemann als
Respektsperson für viele Kinder
bezeichnet, wird beinahe von einem Auto
überfahren, weil er einfach über die Straße
läuft. Seinem Schutzengel Raffaela muss er
daraufhin versprechen, immer erst nach links und
rechts zu schauen. Das Gleiche verlangt Kasper
von den Kindern. Lukas, Mohammed und Joslin
überbieten sich gegenseitig darin, Kasper zu
versichern, dass sie immer gut aufpassen werden.
Zwar wissen sie noch nicht so genau, wo links und
rechts ist. Aber dass sie schauen müssen, bevor
sie über die Straße gehen -das haben sie
gelernt. |
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